Peiner Nachrichten 23. März 2012
Goethes "Reineke Fuchs" in den Festsälen
PEINE. Ein Reineke Fuchs schleicht sich listig und verschlagen von hinten an seine Beute an - auch im Theater. Doch das unverschämte Schmatzen und Kauen verrät Hans-Christoph Michel, der als Reineke Fuchs plötzlich im Rücken der Zuschauer erscheint.
"Hmmm, hmmm, lecker, lecker." Provozierend schwingt Reineke die Gänsekeule in der Hand. Ein wenig beugen sich die ersten Zuschauerreihen zurück. "Wer weiß, was da noch kommen mag?" Denn listig funkeln die blauen Augen des Fuchses unter großen Brauen und roter Perücke. Doch die Gäste in den fast ausverkauften Peiner Festsälen bleiben verschont. Michel springt auf das Spielpodest und präsentiert die zwölf Gesänge des Versepos "Reineke Fuchs" von Goethe in einer darstellerischen Tour de Force.
Die Rolle scheint ihm wie auf den Leib geschneidert. Viel braucht er nicht als Ausstattung. Einzig ein überdimensionaler Holzrahmen und ein paar große Holzkisten dienen dem Spiel.
Souverän und lässig gibt Michel dann den Erzähler. Verschlagen spielt er den Reineke, der stiehlt, lügt, betrügt, vergewaltigt und mordet. Dann sind seine Widersacher an der Reihe, flink springt er in die Rollen der von ihm übertölpelten Opfer: Herablassend posiert er als Löwenkönig Nobel oder wird Wolf Isegrimm. Auch der tapsige Bär und der dumme Hahn werden nachgeäfft. In ein Schnupftuch weint er als Hahn bittere Tränen um die vom Fuchs gemordete Henne - und blickt aus ihm kurz darauf empor in der bösen Fratze des Fuchses.
In der zweiten Hälfte des Versepos kommt mehr Bewegung ins Spiel: Michel posiert mit dem Holzrahmen auf der Bühne, nutzt ihn als Spiegel oder für lebende Bilder. Aus dem Holzthron des Löwen wird eine Hinrichtungsstätte, in dem der Galgenstrick baumeln soll. Dabei sieht der Kopf in der Schlinge tatsächlich so gefährlich aus, dass Michel amüsiert ein "Keine Angst, es passiert nichts" in die Menge ruft.
Denn letztlich siegt auch hier der verschlagene Bösewicht wieder. Michel interpretiert die Geschichte des Reineke in einem Tempo, in dem sie schwer zu verstehen ist für die, die den Text nicht kennen. Ein großes Vergnügen ist die Aufführung jedoch allemal. Und geschickt verpackt als ein bissiger Seitenhieb gegen eine von Gier und Machttrieb besessene Gesellschaft.
Interessant, dass sich für eine Sonderaufführung am selben Tag im Kinder- und Jugendtheater keine einzige Schulklasse interessierte und die Vorstellung abgesagt werden musste.
Bernd Stobäus
Peiner Allgemeine Zeitung 23. März 2012
Theater im Peiner Studio 99: Goethes Epos ist heute noch hochaktuell
PEINE. (gs) Eine minimalistische Bühne, ein sportlicher Schauspieler - mehr brauchte es nicht, das Publikum im Studio 99 der Peiner Festsäle in den Bann zu ziehen, als Hans-Christoph Michel in Goethes Reineke Fuchs, einem Epos über zwölf Gesänge, brillierte.
Der so wandelbare Michel schlüpfte gekonnt in die wechselnden Tierrollen und in die des Erzählers. In Goethes Gewand spielte, erzählte und agierte er sich durch die tierische Komödie um Macht und Gewalt, Dummheit und Tücke.
Bereits als Michel die Bühne betrat - schmatzend, höhnisch lachend und mit seinen blauen Augen blitzend - nahm er das Publikum gefangen. Ein kühner Sprung auf die sparsam eingerichtete Bühne, und schon waren alle mittendrin.
Isegrimm, der Wolf, und Henning, der Hahn, beschweren sich bitter über die frechen Untaten Reinekes. Der Hoftag des Königs Nobel an Pfingsten bot dazu die ideale Gelegenheit: Alle Tiere waren gekommen und wollten Recht gesprochen haben. Nur einer fehlte - Reineke Fuchs. Die anderen nutzten dessen Abwesenheit, sich bitter zu beklagen. Sein Fürsprecher, der Dachs, hatte seine liebe Not, die Anschuldigungen zu entkräften.
Michel zog alle Register der Schauspielkunst, um Goethes harmlos verpackte Gesellschaftskritik lebendig werden zu lassen. Heute ebenso aktuell wie damals, zeichnete der Mime gnadenlos ein Bild der betrügerischen, machtgierigen und von Lügen durchsetzten Gesellschaft. Schelmisch grinsend, verschlagen agierend und jedem Tier gestenreich und pantomimisch gerecht werdend begeisterte der Hamburger. Temporeich und pointiert, mit Witz und Charme und doch auch abstoßend verschlagen gab Michel über 90 Minuten alles. Wie bei Goethe triumphiert auch bei ihm am Ende der Bösewicht: Reineke wird zum Kanzler König Nobels ernannt und kann nun ganz offiziell seine Untaten begehen. "Ein Schelm, wer da aktuelle Bezüge sieht", murmelte eine Zuschauerin lächelnd.
Tosender Applaus belohnte Michels Kunst, eine Bühne allein auszufüllen, zu begeistern und mit einem zwinkernden Auge Kritik anzubringen.
Wedel-Schulauer-Tageblatt 10. November 2010
WEDEL (sho). Tierisch ist es zum Abschluss des diesjährigen Kleinkunstfestivals auf dem Theaterschiff Batavia zugegangen. Und eigentlich auch ganz menschlich. Denn wenn Löwe Nobel, der König der Tiere, zum Hoftag an Pfingsten ruft, und alle bis auf Reineke Fuchs kommen, ist es auch die Erzählung von den Bösewichtern dieser Welt. In Goethes tierischer Komödie um Macht, Gewalt, Dummheit und Gier sowie List und Tücke brillierte Schauspieler Hans-Christoph Michel und fesselte das Publikum als charmanter Reineke Fuchs. Allen voran Isegrimm, der Wolf, und Henning, der Hahn, beschweren sich über die dreisten Untaten des Fuchses. Und die Rolle des animalischen Schelms steht Michel gut. Mit seiner "One-Man-Show" war er erstmalig auf der Bühne der Batavia, fesselte das Publikum und eroberte es im Handumdrehen. Der Mitbegründer der HamburgerTheaterManufaktur schlüpft gekonnt in die verschiedenen Charaktere, ist pointenreich. Mit Witz und Charme, in ein Kostüm der Goethe-Zeit gekleidet, erweckt er die verschiedenen Charaktere zum Leben. Ob als gewiefte Hauptfigur "Reineke Fuchs" - welcher nach unzähligen dreisten Untaten zum Tode verurteilt wird und sich am Ende dennoch mit viel List und Tücke nicht nur vor dem Henker rettet, sondern auch noch vom König zum persönlichen Rat und Kanzler des Reiches ernannt wird -, als dümmlicher Hase, trotteliger Bär oder böser Wolf: Zu Recht durfte sich Michel mit seinem von der Ilse und Dr. Horst-Rusch-Stiftung geförderten Programm am Ende in der Rolandstadt von einem begeistertem Publikum feiern lassen. "Die Zuschauer sollen sich wohl fühlen und einen schönen Abend haben", lautet der stetige Wunsch des Protagonisten, wenn er Auftritte absolviert. Auch in Wedel ging er in Erfüllung. Fünf Mal musste Michel nach dem zwölften Gesang zum Verneigen auf die Bühne hervor eilen. Solange dauerte der tosende Applaus seiner Gäste, die vortrefflich unterhalten wurden.
HamburgerAbendblatt 29. März 2008
Monsun-Theater: Hans-Christoph Michel fesselt als charmanter Reineke Fuchs
HAMBURG - Der animalische Schelm „Reineke Fuchs" steht Hans-Christoph Michel gut. Blitzblaue Augen funkeln listig unter roter Perücke, genüsslich kaut er an einer Gänsekeule, heult in ironischer Demut den Namen des Dichterfürsten Goethe. Die zwölf Gesänge von dessen Versepos bringt Michel körperlich wendig und sprachlich pointiert zum Leben, wird für seine darstellerische Tour de Force vom Publikum gefeiert.
Zu Recht. Michel gibt im Kostüm der Goethe-Zeit lässig den Erzähler, charakterisiert Reinekes klagende Widersacher und posiert herablassend als Löwenkönig Nobel. Handschuhe genügen ihm für den Wolf Isegrim, er markiert den tapsigen Bären und dummen Hasen. Als Hahn vergießt er bittere Tränen um die vom Fuchs gemordete Henne ins Schnupftuch, aus dem im nächsten Moment die triumphierende Täter-Fratze auftaucht.
In Antje Königs Regie wird ein Holzrahmen zur Tür und Falle, er dient als Spiegel oder für lebende Bilder, das Podest wird vom Thron zum Richtblock für Reineke. Doch der Schlaukopf weiß seinen Rotschopf aus der Schlinge zu ziehen. Im zweiten Teil der genau die Figuren zeichnenden Inszenierung verliert Michels charmanter Schlingel durch zu viel Aktionismus an Eleganz und Leichtigkeit. Wirkungsvoller wäre es, die Schatzsuche und Duellszene nur aus der zynischen Fuchs-Sicht zu schildern, anstatt sie temporaubend auszuspielen. Im intriganten Galgenstrick, der als Kanzler Karriere macht, gelingt Michel mit Goethe ein komischer, satirisch-bissiger Seitenhieb auf die von Machtstreben, Gier und Lüge beherrschte Gesellschaft und Politiker-Szene: Sie geben vor, Frieden zu wollen, und führen doch Krieg.
Klaus Witzeling
Böhme-Zeitung 10. März 2009
Hans-Christoph Michel brilliert als Goethes Reineke, der Fuchs
akü SOLTAU. Roter Schopf in roter Robe, aufmerksamer Blick, ein dämonisches Grinsen wechselt mit unterwürfigem Lächeln: Der Hamburger Schauspieler Hans-Christoph Michel stellt Reineke, den listigen Fuchs in dem Epos in zwölf Gesängen von Johann Wolfgang Goethe, vortrefflich dar. Wie er genüsslich die Hühnchenkeule schmatzt, den tumben und honiggeilen Bären Braun imitiert und den König Nobel erfolgreich bezirzt: Michel ist der Reineke. Rund 70 Gäste genießen das Schauspiel am Freitagabend in der Bibliothek Waldmühle auf Einladung der Kulturinitiative Soltau.
Die Bühne ist minimalistisch: Ein ein paar Kästen und ein Türrahmen genügen als Spielwiese für die Eskapaden des Mimen. Und doch entführt er seine Zuschauer in die Welt des höfischen Lebens, das irgendwie doch nicht vergangen ist, in die Welt der Fabel, als Tiere der Menschen Fehler begehen mussten, um den zweibeinigen Herrscher der Welt nicht zu beleidigen.
Als Nobel, der König, seinen Hof versammelt, sind sie alle erschienen. Nur Reineke fehlt; und um den geht es. Denn er hat sie alle beleidigt, bestohlen, betrogen. Ein paar Handschuhe reichen Michel, um Isegrim, den Wolf darzustellen. Der beklagt sich bitterlich darüber, dass Reineke seine Frau entehrt habe. Das arme Hündchen Wackerlos berichtet, der Fuchs habe ihm eine Wurst gestohlen. Kater Hinze entgegnet, es sei doch seine Wurst gewesen, und Wackerlos sei nicht berechtigt zur Klage. Als schließlich Henning, der Hahn, auf einer. Bahre die von Reineke getötete Henne Kratzefuß dem König präsentiert, muss dieser eingreifen. Es ist Mord. Reineke soll sich den Vorwürfen stellen. Der Bär Braun soll ihm die Botschaft überbringen.
So wie Goethe es verstand, seine Kritik an der von Lügen, Betrug und Machtgier durchsetzten Gesellschaft in scheinbar harmloser Form zu Papier zu bringen, so versteht es Michel, diese Szenen lebendig zu machen. Er heult, er kratzt, er beißt, er kräht und maunzt.
Rund 100 Minuten agiert der Schauspieler mit völligem Körpereinsatz, hangelt sich am Türrahmen empor, nutzt ihn als Spiegel, als Bilderrahmen und als Eingang in Reinekes Fuchsbau Malepartus und entwindet sich der daran befestigten Schlinge. Die wenigen Texthänger überspielt Michel mit großem Charme und beschert seinen Zuhörern und Zuschauern einen blendenden Abend.
Bergedorfer Zeitung 10. März 2009
Ein meisterhaftes Stück, meisterhafte Wiedergabe: Hans-Christoph Michel glänzte am Sonntag beim Theater-Benefiz von Rotary im KTS mit einer exzellenten Darstellung von „Reineke Fuchs“
GEESTHACHT (gb). Er kam auf Einladung des Rotary Clubs Geesthacht - Hohes Elbufer und begeisterte im voll besetzten Kleinen Theater Schillerstraße restlos. Der Hamburger Mime Hans-Christoph Michel zog alle Register der Schauspielkunst, als er am Sonntag vor rund 300 Zuschauern den Goethe-Klassiker „Reineke Fuchs“ in Szene setzte. Zu Beginn erklärte der RC-Präsident Dr. Ulrich Karsten den Besuchern, „wofür Sie heute bei uns Gast sind“ und zeigte einige Bilder aus der Gemeinde Collud bei Chiclayo/Peru, wo eine Schule mit Unterstützung des RC Geesthacht - Hohes Elbufer und des RC Chiclayo gebaut wird. Ulrich Karsten dankte allen Gästen für das Erscheinen für den guten Zweck und KTS-Theaterchef Ulrich Jacobi, dass er das Theater gebührenfrei zur Verfügung gestellt hat.
Dann gehörte die KTS-Bühne allein Hans-Christoph Michel. „Reineke Fuchs“ ist eine facettenreiche Charakterstudie. Hans-Christoph Michel schlüpfte in rasantem Tempo in alle Rollen, wechselte hin und her und gab der mittelalterlichen Komödie um Macht und Gewalt, Habsucht, Eitelkeit, Dummheit und Gier, List und Tücke eine unbeschreibliche Dynamik. Meisterhaft servierte der Schauspieler das in zwölf Gesänge gegliederte Werk. Obwohl 102 Minuten solo auf der Bühne, verlor seine Fassung von „Reineke Fuchs“ nichts an Spannung und Dramatik.
Michel überzeugte als König Nobel, dessen Frau Gieremund, als Dachs Grimbart, als Bär Braun, als Kater Hinze, als Hase Lampe und immer wieder als Reineke Fuchs, jener Schelm, der sich mit List und widerlichen Tricks aus jeder Affäre zu retten weiß. Selbst seiner Verurteilung zum Tod wegen all seiner Verbrechen, Tötungs- und Vergewaltigungsdelikte, kann er locker entkommen, um am Ende vom König zum „Kanzler des Reiches“ erhoben zu werden. Vor minimaler Kulisse aus drei Podesten und einem Bildrahmen, sprach Hans-Christoph Michel alle Sinne an - mit seiner voluminösen Stimme und Gestik.
Für den guten Zweck kamen an diesem Abend rund 4.000 Euro zusammen.
Gregor Bator